Behandlungsmethoden der Chinesischen Medizin: ein Überblick

brennendes Moxa auf Ingwer

Die Chinesische Medizin umfasst ein differenziertes Medizinsystem, das sich über viele Jahrhunderte entwickelt hat. Im Mittelpunkt steht nicht die Behandlung einzelner Symptome, sondern das Verständnis von funktionellen Zusammenhängen im Körper. Grundlage jeder Behandlung ist eine individuelle chinesische Diagnose, aus der sich die jeweils passenden therapeutischen Impulse ableiten.

Zu den zentralen Behandlungsmethoden der Chinesischen Medizin zählen Akupunktur, Chinesische Pharmakologie und Tuina. Sie werden je nach Diagnose und individueller Lage einzeln oder kombiniert eingesetzt und verfolgen stets das Ziel, die körpereigene Regulation zu unterstützen.

Akupunktur

Akupunktur ist die im Westen bekannteste Methode der Chinesischen Medizin. Sie wird eingesetzt, um regulierende, bewegende oder ausgleichende Impulse im Körper zu setzen. Grundlage bildet das Meridiansystem – ein Netzwerk von Leitbahnen, das Organe und Bewegungsapparat miteinander verbindet.

Aus Sicht der Chinesischen Medizin spiegeln sich funktionelle Dysbalancen im Verlauf dieser Meridiane wider. Durch die gezielte Auswahl und Kombination von Akupunkturpunkten können bestimmte Prozesse beeinflusst und harmonisiert werden. Die Punkte liegen dabei nicht zwangsläufig dort, wo Beschwerden wahrgenommen werden, sondern dort, wo sie aus chinesisch-medizinischer Sicht wirksam reguliert werden können.

Verwendet werden sehr feine, flexible Nadeln mit abgerundeter Spitze. Sie suchen sich ihren Weg durchs Gewebe auf sanfte Art und Weise. Wie die Behandlung empfunden wird, ist individuell unterschiedlich: Manche Menschen spüren kaum etwas, andere nehmen ein kurzes Piksen, ein Kribbeln oder ein leichtes Druckgefühl wahr. Viele beschreiben die Behandlung insgesamt als ruhig und entspannend.

Die Nadeln verbleiben in der Regel etwa 30 bis 45 Minuten im Körper. Der Impuls der Akupunktur Punkte hält nach der Behandlung noch eine Weile an, weshalb es sinnvoll sein kann, den restlichen Tag etwas ruhiger zu gestalten. Bei bestimmten Mustern wird Akupunktur durch Moxibustion ergänzt, um Punkte oder Körperregionen gezielt zu wärmen und zu bewegen.

Chinesische Kräuterheilkunde

Die Chinesische Kräuterheilkunde ist ein zentraler und zugleich sehr umfangreicher Bestandteil der Chinesischen Medizin, im Westen jedoch weniger bekannt als die Akupunktur. Sie wird als „chinesische Kräuterheilkunde“ bezeichnet – tatsächlich umfasst sie jedoch nicht nur pflanzliche Substanzen, sondern auch mineralische und tierische Bestandteile.

Die Auswahl der Arzneimittel erfolgt stets auf Grundlage der individuell festgestellten chinesischen Diagnose. Insbesondere bei tieferliegenden oder komplexeren Mustern kommen Chinesische Kräuterrezepturen zum Einsatz. Dabei werden die einzelnen Bestandteile nach ihren chinesisch-medizinischen Eigenschaften kombiniert.

Traditionell werden die Zutaten über einen längeren Zeitraum ausgekocht, um ein konzentriertes Dekokt herzustellen. Alternativ stehen Granulate zur Verfügung – vorgekochte und getrocknete Extrakte in Pulverform, die in Wasser aufgelöst werden. Granulate können auch zu Tabletten gepresst oder in Kapseln abgefüllt werden.

Welche Darreichungsform und welche therapeutische Strategie im Einzelfall sinnvoll ist, ergibt sich aus der Diagnose und wird individuell besprochen.

Tuina nach dem Li Stil

Tuina fasst die manuellen Behandlungstechniken der Chinesischen Medizin zusammen. Dazu gehören klassische Massage Techniken, wie kreisende Bewegungen und Druck auf verspannte Muskeln, aber auch Gua Sha (Schabetechniken auf der Haut), Schröpfen, und Techniken mit Massagestöcken, Handtüchern und Seidentüchern. Auch externe Kräuterlotionen kommen zum Einsatz.

Tuina wird oft begleitend zur Akupunktur und/oder zur chinesischen Kräuterheilkunde eingesetzt, insbesondere bei funktionellen Einschränkungen des Bewegungsapparates oder bei Blockaden im Meridiansystem. Die Intensität der Techniken kann dabei sehr sanft sein oder – je nach Zielsetzung – mit mehr Druck erfolgen.

Auch Tuina arbeitet mit einem ganzheitlichen Ansatz. Es gilt, den Körper als Ganzes zu sehen und Problemzonen nicht isoliert zu betrachten. Dabei stützt sich das Verständnis des Körpers auf den Prinzipien des T’ai Chi. T’ai Chi lehrt uns, wie der Körper harmonisch in Bewegung ist, um neue Bewegungsmuster zu erlernen und den Energiefluss im Körper zu harmonisieren. Im Tuina wendet man dieses Verständnis von Bewegung im Körper an, um natürliche Bewegungsmuster zu unterstützen.

Der Li Stil ist ein sehr umfangreicher und detailreicher Familienstil, der neben T’ai Chi und Tuina auch Qi Gong (K’ai Men und Dao Yin Übungen) und Kampfkünste (Feng Shou, Chi Shu und Shuai Jiao) umfasst. Die Taoist Arts Organisation unterrichtet den Li Stil in seinem ganzen Umfang seit 1995 – hier geht es zu der Website der TAO.

Individuelle Ansätze

Akupunktur, Chinesische Kräuterheilkunde und Tuina werden sehr häufig miteinander kombiniert eingesetzt. Welche Methode oder Kombination im individuellen Fall geeignet ist, hängt von der jeweiligen Musterlage, dem aktuellen Zustand und den individuellen Voraussetzungen ab.

In meiner Praxis besprechen wir gemeinsam, welche Behandlungsmethoden sinnvoll erscheinen und im persönlichen Fall am besten eingesetzt werden können.

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