Klassische Akupunktur
TCM ist ein sehr altes und lange erprobtes Medizinsystem. Die Hauptbereiche der Chinesischen Medizin umfassen die Chinesische Arzneimittellehre (umgangssprachlich auch Chinesische Heilkräuter gennant), Akupunktur, Tuina (Chinesische Massage), Bewegungslehre (Tai Chi & Qi Gong), so wie Ernährung.
Bei einer Akupunktur Sitzung werden, basierend auf der individuellen TCM Diagnose, an gezielt ausgewählten Punkte am Körper Nadeln gesetzt und nach 20-30 Minuten wieder entfernt. Das Platzieren von Akupunkturnadeln wird verwendet, um Prozesse im Körper anzuregen und die Selbstheilung zu unterstützen.
Akupunktur wird bei einer Vielzahl von Beschwerden eingesetzt. Auf dieser Seite erfährst du mehr über die Anwendung und Wirkweise der feinen Nadeln.
Wie wirkt Akupunktur?
In der Lehre der Chinesischen Medizin sind die Organe des Körpers durch dazugehörige Meridiane und einen Energiefluss durch den gesamten Körper miteinander verbunden. Der Fluss von Qi (Energie) durch dieses Netzwerk kann durch innerliche und äußerliche Faktoren beeinträchtigt werden. Krankheiten entwickeln sich, wenn ein harmonischer und gleichmäßiger Fluss nicht mehr erhalten werden kann.
Entlang der Energieleitbahnen liegen Reizpunkte, auch Akupunkturpunkte genannt, die durch das Setzen feiner Nadeln aktiviert werden können. Dadurch lassen sich regulierende, ausgleichende oder anregende Impulse setzen: Der Energieflusses im Meridiansystem wird harmonisiert und Prozesse der Selbstregulation im Körper werden angeregt. Häufig wird Akupunktur in Kombination mit chinesischer Kräuterheilkunde eingesetzt, da die beiden Methoden etwas andere Wirkungsbereiche haben und sich sehr gut ergänzen.
Mit Akupunktur kann man Prozesse im Körper, die zu Symptomen führen, beeinflussen. Sobald strukturelle Schäden vorliegen, zB der Umbau von gesundem Gewebe zu Narbengewebe, oder ein großes Myom im Uterus, lässt sich das nicht rückgängig machen. In solchen Fällen kann Chinesische Medizin helfen, Begleitsymptome zu lindern, und die Kompensationsstrategien des Körpers unterstützen.

Wofür wird Akupunktur verwendet?
Traditionell wird Akupunktur bei Problemen im Meridiansystem und regulatorischen Prozessen im Körper verwendet. Aus TCM Perspektive haben viele Arten von Beschwerden eine solche Komponente – deswegen ist der Anwendungsbereich von Akupunktur sehr groß.
Die meiste Aufmerksamkeit und Forschung bekommt Akupunktur für ihren Einsatz in der Schmerztherapie. Für machen Bereiche, wie Schmerzen an der Lendenwirbelsäule und Arthrose im Kniegelenk, ist die positive Wirkung von Akupunktur so weit erforscht, dass selbst die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die Behandlung teilweise übernehmen.
Akupunktur wird außerdem bei einer Vielzahl an Beschwerden regelmäßig eingesetzt. Dazu gehören:
- akute und chronische Schmerzen wie Kopfschmerzen, Fibromyalgie, Trigeminusneuralgie oder Polyneuropathien
- Beschwerden des Bewegungsapparats (zB Arthose oder Arthritis, Ischias, Verspannungen, Bandscheibenvorfälle)
- Verdauungsprobleme wie Reizdarm oder Unverträglichkeiten, sowie chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
- psychische und emotionale Belastungen wie Stress, Angst oder Burn-out
- gynäkologische Beschwerden wie PMS, Schmerzen während der Mens und Menopause
- Atemwegserkrankungen, Asthma und Allergien
- Schlafstörungen
- Hauterkrankungen wie Akne, Schuppenflechte, Neurodermitis
- Autoimmunerkrankungen
- Long-Covid und ME/CFS
- Tinnitus und Augenerkrankungen
- Als Begleittherapie bei Chemotherapie
Ablauf einer Akupunkturbehandlung
Chinesische Medizin zielt darauf ab, den ganzen Menschen zu behandeln, anstatt isolierte Symptome. Bevor Akupunktur zum Einsatz kommt, ist es daher wichtig, eine ausführliche Anamnese und Diagnosestellung nach TCM Art durchzuführen. Das passiert in einem persönlichen Erstgespräch, und mittels Puls- und Zungendiagnose.
Akupunkturnadeln werden dann an ausgewählten Punkten gesetzt und bleiben dort ca 20-30 Minuten. Gelegentlich werden sie während der Behandlung durch leichte Bewegung manipuliert, um den Effekt zu präzisieren. Zusätzlich wird nach Bedarf Moxa eingesetzt: getrocknete Kräuter deren Glimmen eine durchdringende Wärme entfalten.
Akupunkturnadeln sind sehr fein und dünn. Manche Menschen nehmen den Einstich gar nicht wahr, andere beschreiben ein kurzes Piksen oder Druckgefühl. Während der Behandlung verspüren manche Menschen einen sanften Druck, Kribbeln oder Pulsieren an den Akupunkturpunkten und dem Verlauf der Meridiane. Viele Menschen beschreiben die Behandlung insgesamt als entschleunigend und entspannend.
Bei akuten Themen reichen oft schon 6-10 Sitzungen mit Akupunktur aus, um den Heilungsprozess in Gang zu bringen. Chronische Themen erfordern häufig mehr Zeit. Akupunktursitzungen sollten zunächst 1-2 mal pro Woche stattfinden. In Kombination mit Chinesischen Heilkräutern können die Abstände auf 2-4 Wochen erweitert werden.
Das Stimulieren von Akupunktur Punkten regt im Körper Prozesse an, die noch mehrere Tage nachwirken. Nach einer Behandlung mit Akupunktur sollte man dem Körper daher ausreichend Ruhe gönnen, und möglichst keine körperlich anstrengenden oder mental stressreiche Tätigkeiten einplanen.
Je nachdem, welche Chinesische Diagnose vorliegt, kann es sinnvoll sein, die Akupunktur Behandlung durch Chinesische Arzneimitteltherapie, Schröpfen, Gua Sha oder Tuina (manuelle Techniken) zu ergänzen. Auch individuelle Ernährungsempfehlungen können sinnvoll sein, um die Behandlung zu ergänzen.

Ganzheitliche Prävention
Chinesische Medizin wird häufig erst dann in Anspruch genommen, wenn bereits Beschwerden bestehen – manchmal auch, nachdem schon viele Behandlungsansätze ausprobiert wurden. Traditionell spielt sie aber auch eine wichtige Rolle in der Gesundheitserhaltung. Funktionelle Krankheitsmuster können von TCM Therapeuten erkannt werden, bevor sich deutliche Symptome entwickeln. Unterstützende Behandlungen können daher in Phasen erhöhter Belastung sinnvoll sein – etwa bei anhaltendem Stress, nach Infekten, bei hormonellen Veränderungen wie der Menopause oder nach operativen Eingriffen.
