Chinesische Kräuterheilkunde
Chinesische Kräuterheilkunde befasst sich mit den Arzneimitteln der TCM. Da es sich um weitaus mehr als nur getrocknete Kräuter handelt, ist der Begriff Chinesische Pharmakologie eigentlich zutreffender: Die speziell zusammengesetzten Rezepturen bestehen aus verschiedenen pflanzlichen Substanzen, sowie mineralischen und tierischen Bestandteilen.
Chinesische Arzneimittelrezepturen sind größtenteils für die innere Anwendung konzipiert: Sie werden als ausgekochtes Dekokt getrunken, als Granulate in Wasser eingerührt, oder in Tablettenform verabreicht. Auch in Cremes und Extrakten finden sie ihre Anwendung auf der Haut.
Chinesische Kräuter erweitern das Wirkungsspektrum von manuellen Techniken wie Akupunktur und Tuina deutlich. Sie entfalten ihre Wirkung von innen und werden bei TCM Krankheitsbildern eingesetzt, die sonst schwer erreichbar wären. Die Chinesische Kräuterheilkunde macht eigentlich den weitaus größten Teil der Chinesischen Medizin aus – sie ist hierzulande nur noch nicht so bekannt wie die Akupunktur.
Wie wirken Chinesische Kräuterrezepturen?
Das Ganze ist mehr als die Summe der einzelnen Teile eines Systems: dieses Prinzip beschreibt die Wirkweise von Chinesischer Kräuterheilkunde sehr gut. In der Geschichte der TCM steckt ein sehr großer Erfahrungsschatz in Hinsicht darauf, in welcher Weise Substanzen miteinander kombiniert werden müssen, um bestimmte Effekte auf den Körper zu haben.
In der TCM werden alle Einzelsubstanzen in ihrem Geschmack, ihrer thermischen Wirkweise im Körper (wärmend, kühlend), ihrem Bezug zu Organen und Schichten im Körper beschrieben. In den Rezepturen werden die Einzelkräuter so miteinander kombiniert, dass die Bezüge der einzelnen Substanzen zueinander, physiologische Heilungswege des Körper nachbilden. Auf diese Art und Weise wird der Körper angeregt, Krankheitsmuster zu lösen und ein physiologisches Gleichgewicht wiederherzustellen.
Viele der eingesetzten Kräuter enthalten Substanzen, die auch in der Schulmedizin Beachtung finden. So wurde beispielsweise eins der heute gängigsten Mittel für Malaria aus einem Bestandteil einer TCM Rezeptur für fiebrige Erkrankungen gewonnen. Viele der Einzelsubstanzen haben außerdem entzündungshemmende, anti-virale, antimikrobielle, schmerzstillende, durchblutungsfördernde und krampflösende Eigenschaften.

Wann wird die Chinesische Kräuterheilkunde eingesetzt?
Während Akupunktur eingesetzt wird, wenn eine Regulation des Qi Flusses erforderlich ist, benutzt man Chinesische Arzneimittel, um andere Ebenen im Körper zu erreichen.
TCM baut auf einem Modell von Körper und Gesundheit auf, was zwischen Qi, Blut und Flüssigkeiten, so wie verschiedenen Schichten im Körper unterscheidet: Kräuter nehmen direkten Einfluss auf Qi, Blut und Flüssigkeiten und können den Körper kraftvoll unterstützen.
Wenn TCM Krankheitsmuster komplex verschachtelt sind, wenn sie chronisch sind und wenn sie tiefere Schichten im Körper betreffen, dann sind Kräuter häufig ein wichtiges Mittel.
Chinesische Kräuterheilkunde hat ein breites Anwendungsspektrum. Sie wird häufig eingesetzt bei folgenden Themen:
- Verdauungsprobleme wie Reizdarm oder Unverträglichkeiten
- Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
- Schlafstörungen: Probleme beim Ein- und Durchschlafen
- gynäkologische Beschwerden wie PMS und Menopause
- Long-Covid und ME/CFS
- Autoimmunerkrankungen
- Hauterkrankungen wie Akne, Schuppenflechte, Neurodermitis
- psychische und emotionale Belastungen wie Stress, Angst oder Burn-out
- Schmerzzustände wie Kopfschmerzen, Fibromyalgie oder Trigeminusneuralgie
- Atemwegserkrankungen, Asthma und Allergien
- Tinnitus und Augenerkrankungen
- Beschwerden des Bewegungsapparats (zB Arthose oder Arthritis)
Ablauf einer Arzneimitteltherapie
Jeder Heilungsweg mit Chinesischer Medizin beginnt mit einer Erstanamnese: in einem persönlichen Gespräch mit gründlicher Krankengeschichte, Puls- und Zungendiagnose, klären wir die Hintergründe der Beschwerden aus TCM Sicht ab. Danach entscheidet sich, welche Rolle Chinesische Arzneimittelrezepturen in der Behandlung spielen können.
Chinesische Heilkräuter werden täglich getrunken: als selbst hergestelltes Dekokt (durch Auskochen der getrockneten Bestandteile) oder als Granulat (vorverabrbeitete Kräuter, die in heißes Wasser eingerührt werden). Sie können auch in Tablettenform verabreicht werden.
Chinesische Kräuter werden von spezialisierten Versand Apotheken nach individueller Rezeptur hergestellt. Sie sind nur auf Rezept von Heilpraktikern oder Ärzten erhältlich. Die Apotheken kontrollieren die Qualität, Schadstofffreiheit, und auf mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten oder Kontraindikationen mit Erkrankungen.
Diagnosen von Krankheitsmustern in der TCM sind immer Momentaufnahmen eines dynamischen Körpersystems. Mit jedem Behandlungsschritt wird das System beeinflusst und das Muster kann sich dementsprechend verändern. Regelmäßige Kontrollen und Anpassungen der Rezepturen sind daher wichtig. Zu Beginn der Behandlung empfehlen sich Kontrolltermine alle 1 – 2 Wochen. Im Verlauf der Behandlung dann alle 2 – 4 Wochen.
Wie häufig Kontrolltermine nötig sind, und wie lange die Behandlung insgesamt dauert ist sehr unterschiedlich und orientiert sich an der persönlichen gesundheitlichen Situation.
Auch wenn umgangssprachlich von Chinesischen ‚Kräutern‘ gesprochen wird – die Chinesische Arzneimittellehre umfasst neben pflanzlichen Bestandteilen auch mineralische und tierische Substanzen. Bei einer veganen bzw vegetarischen Ernährung können bestimmte Rezepturen nicht verwendet werden.

Prävention mit Chinesischer Medizin
Chinesische Medizin wird häufig erst dann in Anspruch genommen, wenn bereits Beschwerden bestehen – manchmal auch, nachdem schon viele Behandlungsansätze ausprobiert wurden. Traditionell spielt sie aber auch eine wichtige Rolle in der Gesundheitserhaltung. Funktionelle Krankheitsmuster können von TCM Therapeuten erkannt werden, bevor sich deutliche Symptome entwickeln. Unterstützende Behandlungen können daher in Phasen erhöhter Belastung sinnvoll sein – etwa bei anhaltendem Stress, nach Infekten, bei hormonellen Veränderungen wie der Menopause oder nach operativen Eingriffen.
